„Ihr wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt“ Aus Jakobus 1

 Geduld. Eine super Sache. Gerade in diesen Zeiten, wenn man es nicht mehr abwarten kann, dass sich das Leben und der Alltag wieder normalisiert. Wär‘ schon schön, wenn man mitunter etwas mehr Geduld aufbringen könnte. Aber die Geduld gibt es leider nicht auf Bestellung. Und Geduld einfach einzufordern, bringt auch nichts. „Nun sei mal schön geduldig“ – wer mochte als Kind schon solche Sätze? Oder gar Geduldsspiele? Da haben sich Erwachsene etwas Tolles ausgedacht, aber Spaß gemacht hat es wohl eher weniger. „Üb‘ dich in Geduld!“ – diese Aufforderung ist wohl genauso wirksam wie: „Sei doch mal spontan!“ – na toll..

Andererseits – der Bibeltext spricht davon, dass Geduld schon zu erzeugen ist. Dass Geduld „gewirkt“ oder „erwirkt“ werden kann. Nur nicht so direkt, wie auf Knopfdruck.

Glaube wirkt Geduld. Wenn´s gut geht… Das scheint so nebenbei zu geschehen. Vielleicht hilft es, sich klar zu machen, was man eigentlich erwartet. Denn unsere Ungeduld fällt nicht einfach so vom Himmel (genauso wenig wie die Geduld) – sie entsteht ja aus einer Erwartung heraus, die wir haben oder pflegen.
Wenn ich z.B. auf eine Behörde gehe, um irgendwas zu regeln, dann muss ich einfach Zeit mitbringen. Trotzdem erwartet man, dass es hoffentlich schnell geht. Schaue ich doch mal, mit welcher Erwartung ich da hinein gehe. Wenn ich gleich schon die Erwartung habe, dass es länger dauert, dann nehme ich mir vielleicht was zu lesen oder eine Thermoskanne mit Kaffee mit und ich sorge so dafür, dass ich geduldiger bleibe, weil meine Erwartungen nicht so schnell enttäuscht werden. Die Geduld ist nur das Symptom für das Gefühl, was drunter liegt. Wenn ich daran arbeite, ist das viel effektiver als sich einfach aufzufordern, mal geduldig zu sein oder ein Geduldsspiel zu spielen.

Geduld fällt nicht vom Himmel. Sie wird gewirkt. Der Geduld ist etwas vorausgesetzt. Nämlich der Glaube. Die Vermutung, dass es bei der Behörde schnell geht, wirkt keine Geduld. Die Vermutung es könnte länger dauern, lässt mich ganz anders aufgestellt sein. Inwiefern wirkt der Glaube Geduld?

Mein Glaube lässt mich immer wieder sehen, dass ich nicht allein bin. Viele Menschen haben mit mir den gleichen Glaubenshorizont. Es geht nicht nur um mich, um meine Rettung. Der Glaube spricht: „Unser Vater im Himmel“, „unser täglich Brot gib uns heute“, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Die Pandemie betrifft nicht nur mich. Wir sind alle inzwischen „durch“, was Corona betrifft. Die Person neben mir leidet genauso darunter. Kann auch nicht das machen, was sie eigentlich für diese Zeit geplant hatte. Das ist das Eine. Im Glauben kann ich mich auf wohltuende Weise einreihen. Steh nicht alleine da.

Das Andere betrifft das Bewährtsein, sagt der Bibelvers. Wenn ein Fundament gegossen wird auf einer Baustelle, kann man beobachten, wie dort Stahlmatten als Bewährung hineinkommen. Sie geben dem einzufüllenden Beton Halt. Damit es bei äußerer Belastung nicht dazu kommt, dass was wegbricht. Mein Glaube hilft mir anzunehmen, dass mein Leben nicht nur abhängig ist von dem, was Tag für Tag  von außen auf mich einströmt. Oder was ich konsumieren kann an Events, Artikeln oder Lebenserfahrungen. Mein Leben ist vielmehr getragen von einem inneren Bewusstsein.  Mein Glaube hilft mir zu sehen, dass ich unabhängig davon an ganz anderer Stelle gehalten bin. Das gibt mir in aller Belastung, die ja trotzdem bleibt, eine Sicherheit, eine Gelassenheit. Für mich heißt das konkret: Ich muss nicht jede Sondersendung zum Impf- oder  Coronageschehen sehen. Das macht mich am Ende mehr verrückt, als dass ich mich informiert fühle. Man hat uns von Regierungsseite vor Wochen gesagt, dass Mitte Februar die Altenzentren mit der Impfung durch sind. Was für einen Sinn macht es dann, Anfang Januar zu fragen, wann dann endlich die Kinder geimpft werden?  Glaube heißt für mich, ich bin offen für die Welt und interessiert an ihr. Aber ich habe auch noch eine eigene Welt in mir, nicht zuletzt die Welt des Glaubens und der Vernunft. Und kann dann gelassen auch mal abschalten. Im doppelten Sinn.  Vielleicht auch, um ein Buch zu lesen, dass meinen Horizont weitet und meine Geduld nicht weiter aufreibt, sondern stärkt.

Friedhelm Schrader

 

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